Am Gala-Abend gekürt
Die Goldene MedienLÖWIN für das Lebenswerk geht heuer an Eva Linsinger vom Profil. Für ihren Bericht über Frauen mit Behinderungen im ORF-Magazin „konkret“ nimmt Marianne Waldhäusl die Silberne MedienLÖWIN entgegen. Das Frauenmagazin WOMAN wird für die Aktion „Gegen Gewalt an Frauen“ mit dem MedienLÖWEN ausgezeichnet.
Eva Linsinger wollte schon als Kind Journalistin werden und hat sich gegen alle anderslautend Ratschläge aus Familie und Bekanntschaft durchgesetzt. Jetzt ist sie stellvertretende Chefredakteurin und Innenpolitik-Chefin beim Profil. Sie ist gerngesehener Talkshow-Gast, wo sie mit ihrer ruhigen Art und ihren messerscharfen Analysen brilliert. Sie schreibt leidenschaftlich gerne über Politik und sie hat „die Lizenz zum Fragen“, sieht das Fragen als Auftrag. Kollegial ist die Buchautorin, hartnäckig ist sie und sie lässt sich ungern blenden von so mancher politischen Persönlichkeit. Das ist der studierten Historikerin und Literaturwissenschaftlerin wohl gelungen. Sie hat vor Profil bei DerStandard, AZ und beim Kurier gearbeitet. Mit Sibylle Hamann, auch eine Goldene MedienLÖWIN (2016), hat Eva Linsinger 2008 das „Weißbuch Frauen/Schwarzbuch Männer“ veröffentlicht. Eva Linsinger – immer am Puls der Zeit – ist jetzt auch regelmäßig im Profil-Innenpolitik-Podcast zu hören.
Über die Silberne MedienLÖWIN freut sich ORF-Gestalterin Marianne Waldhäusl. Mit einem „konkret“-Beitrag mit dem Titel „Frauen, die behindert werden“ überzeugte sie die Jury. Das 20-Minuten-Feature handelt von Frauen mit Behinderungen, ihre Kämpfe, ihre im Vergleich zu Männern mit Behinderung verminderte Sichtbarkeit und ihre andere Art, mit der eigenen Behinderung umzugehen. Der Beitrag oszilliere zwischen menschlicher Nahaufnahme, politischer Ansage, werfe Schlaglichter auf unterschiedliche Lebenskonzepte und baue sich so geschickt auf, dass man vergesse, dass die Frauen mit einer körperlichen Behinderung leben. Der Beitrag, der auch als feministischer Weckruf gelesen werden kann, zeigt, wie Frauen mit dem eigenen Handicap umgehen.
Der MedienLÖWE – die jüngste unter den LÖWINNEN-Auszeichnungen – ging an das Frauenmagazin WOMAN unter der Leitung von Euke Frank, das sich dem sehr heiklen Thema „Gegen Gewalt an Frauen“ annahm. Stories, Online-Features, Inserate – alles drehte sich im Aktionszeitraum um häusliche Gewalt. „Aber nicht pessimistisch, deprimierend oder hoffnungslos, sondern ganz im Gegenteil klar aufzeigend und empowernd“, wie die Jurorinnen befanden. Weil betroffene Frauen selbst zu Wort kamen und erzählten, wie sie es aus der Gewaltbedrohung geschafft haben. Die Redaktion wollte Frauen eine Stimme geben und Bewusstsein schaffen für die stillen Qualen, die diese oft viel zu lange erdulden. Journalistinnen interviewten betroffene Frauen und veröffentlichten anonymisiert deren Erzählungen in vielen Tageszeitungen und Magazinen als doppel-, ganz- oder halbseitige Sujets. Außerdem erzählten Betroffene in Radiospots ihre Geschichte. Diese Aktion soll Frauen Mut machen, einen Schritt raus aus toxischen, oft lebensgefährlichen Beziehungen zu wagen – und uns allen die Augen öffnen. „ZITAT DER SIEGERINNEN“
MedienLÖWIN in Gold
Die MedienLÖWIN in Gold wird an Journalistinnen mit Vorbildfunktion und für ihr bisheriges Schaffen vergeben. Medienfrauen konnten vorgeschlagen werden, der Beirat des Journalistinnenkongresses hat durch Punktevergabe drei Frauen nominiert. Nominiert waren ebenfalls: Renate Graber (DerStandard Wirtschaft) und Claudia Reiterer (ORF). Durch eine Jury aus 77 bekannten Medienmenschen wurde die Gewinnerin via Punktevergabe ermittelt. Die MedienLÖWIN in Gold wird von der Wirtschaftskammer Österreich unterstützt.
MedienLÖWIN in Silber
Mit der MedienLÖWIN in Silber werden journalistische Beiträge ausgezeichnet, die sich mit den Lebenssituationen von Frauen kritisch auseinandersetzen. Unterstützt wird der Preis von Sanofi Austria. Die weiteren Nominierten in dieser Kategorie waren: Christina Höfferer und Christine Pawlata, mit ihrem Beitrag „Corona und Wirtschaft: Das EU-Hilfspaket landet nicht bei den Krisenverliererinnen“ in DerStandard. Er zeigt nach tiefgreifenden Analysen, dass die Begünstigten der EU-Hilfen wieder einmal mehr überwiegend Männer oder männerdominierte Bereiche sind. In Claudia Manns Beitrag „Was geht? – Catcalling“ im Magazin „Futter“ der Kleinen Zeitung (mit A1now TV) nimmt die Journalistin das Thema verbal-gewalttätige, sexistische Anmachsprüche, denen Frauen im öffentlich Raum alltäglich ausgesetzt sind, ins Visier und berichtet über Betroffenheit, Befindlichkeit und Aktionismus.
MedienLÖWE
Der MedienLÖWE (featured by Jacques Lemans) geht an Redaktionen oder Medien, die sich durch besonders frauenfreundliche, frauenunterstützende und stärkende Aktionen auszeichnen. Die weiteren Nominierten in dieser Kategorie waren: Beatrice Frasel mit ihrem Podcast „Große Töchter“. Sie interviewt Expert:innen, Aktivist:innen, und Journalist:innen zu Themen rund um Feminismus, Frauenbewegungen und Frauenpolitik. Frasel versucht, Feminismus in seiner Breite und Vielfalt abzubilden und einer möglichst großen Bandbreite an Perspektiven Raum zu geben. Weiters waren die Sendereihen „Die Zudeckerin“ und „fm4 Klitoris“ von Antonia Stabinger in fm4 nominiert. Die Kabarettistin und Radiomoderatorin bespricht mit scharfer Zunge Frauenfragen angefangen bei Leben, Gesellschaft über Körper sowie Sexualität bis zu Politik und Strukturen. Ihre Waffe ist der Humor, denn sie nimmt alles gehörig aufs Korn.